14. Mai 2017

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Luther war Experte für Ohrwürmer

Bild: Logemann

Neue Landessuperintendentin Dr. Petra Bahr predigte bei dem dritten musikalischen Abendgottesdienst in St. Martin zum Motto „Nun freut euch lieben Christen gmein“, welches von einer extra zusammengestellten Band mit Saxophonen unter der Leitung von Christian Scheel frisch interpretiert wurde

„In unserer Generation mutet der Text schon etwas fremdartig an“ schmunzelt Landessuperintendentin Dr. Petra Bahr mit Blick auf das Lied, welches dem Abendgottesdienst das Motto gegeben hat: Nun freut euch lieben Christen gmein. „Da wimmelt es von komisch abgekürzten Worten und Teufeln und so. Aber damals, zu Luthers Zeiten, da war dieses Lied ein Ohrwurm. Die Handwerker haben es bei der Arbeit gesungen, und die Mägde pfiffen es auf dem Weg zum Markt.“ Im Grunde seien die Lieder Luthers sowas wie die Facebookeinträge der frühen Zeit gewesen, meint Bahr, denn sie verbreiteten sich ebenso rasend schnell und durch sie wurde Luthers Theologie durch das ganze Land getragen. Dabei seien diese Lieder musikalisch und theologisch durchaus anspruchsvoll. In den 10 Strophen von „Freut euch lieben Christen gmein“ stecke die ganze Reformation. „Zehn Strophen – alles drin!“, betont Bahr „Wir werden zu Zeitgenossen von Gottes Handeln und singen uns als Gemeinde wechselseitig Gottes Wort zu.“

Auch in der musikalischen Interpretation der eigens für diesen Gottesdienst zusammengestellten Band war „alles drin“. Durch die Saxophone von Jens Sommerfeld, Jan Schwill und Daniel Eckhart, das Schlagzeug von Philipp Melhop, den Bass von Camil Kieltyka, die Orgel von Christian Scheel und den Gesang von Vanessa Schwill wurde das alte Lutherlied gekonnt neu gespielt und in einen Dialog mit dem Gesang der Gemeinde gebracht. Und auch die von Christian Scheel nach der Predigt gespielte Choralfantasie von Dieterich Buxtehude nahm das Thema des Gottesdienstes nochmal auf und führte es weiter.

Anschließend gab es bei Knabbereien und Getränken die Möglichkeit, sich über das Gehörte auszutauschen und natürlich auch ein Wort mit der neuen Landessuperintendentin zu wechseln. Der Gottesdienst in St. Martin war der zweite an diesem Tag für Petra Bahr, die morgens bereits in Haimar das 900-jährige Bestehen der dortigen Gemeinde mitgefeiert hatte. Seit Januar ist sie als Landessuperintendentin des Sprengels Hannover im Amt, aber es komme ihr so vor, als seien es schon zwei Jahre. „Einfach, weil ich überall so unglaublich herzlich willkommen geheißen werde“, lacht Bahr, und man spürt, dass sie ihren Beruf und die Menschen einfach gern hat.