11. September 2017

Nachricht

Mit 200 Konfis ins Mittelalter

Kirchenkreis Nienburg veranstaltet in Drakenburg großen Konfirmandentag zum Thema Reformation

Bild: Logemann

Der Kirchenkreisjugenddienst, mehrere PastorInnen und über 30 Ehrenamtliche sorgten am letzten Samstag dafür, dass 200 Konfirmanden das Thema Reformation in der Drakenburger Kirche und auf dem Rittergut Benecke gemeinsam entdecken und erfahren konnten
„Wer weiß, was das Fegefeuer ist?“, fragt Phil Rieger streng in die Runde von KonfirmandInnen, die sich vor dem Eingang zum Gewölbekeller des Rittergutes versammelt haben. Mit seinem schwarzen Mantel und Hut sieht er selber auch schon etwas furchteinflößend aus. Im Gewölbe wird es dann richtig gruselig: eine Sammlung mittelalterlicher Vorstellungen von der Hölle und dem Fegefeuer werden dem Betrachter im Kerzenschein präsentiert. „So hat die Kirche den Menschen früher Angst gemacht“, erklärt Phil und fügt gleich hinzu: „Heute ist das zum Glück anders!“

„Wir wollten einfach, dass die KonfirmandInnen eine konkretere Vorstellung davon bekommen können, was die Leute zur Zeit Luthers gedacht und geglaubt haben. Denn nur dann kann man auch verstehen, wie es zu dem Ablasshandel und dann zu Luthers Reaktion kommen konnte“, sagt Diakon Martin Geissler.

Doch nicht nur das Fegefeuer wurde thematisiert. An zahlreichen Stationen auf dem Rittergut konnten die KonfirmandInnen sich kreativ mit dem Themen Bibelübersetzung, Buchdruck, mittelalterliche Spiele und Kostüme, Kirche der Zukunft und Martin Luther beschäftigen. Das herbstliche Wetter konnte niemandem die Laune verderben, auch wenn die Haupt- und Ehrenamtlichen die zwei großen Zelte morgens im Dauerregen hochziehen mussten.

In der Drakenburger Kirche  fand zeitgleich ein Planspiel statt, an dem morgens und nachmittags jeweils die Hälfte der KonfirmandInnen teilnehmen musste. Hier ging es inhaltlich richtig zur Sache – Pastor Christian Brouwer erklärte den Begriff „sola gratia“ und die Theologie Luthers. Die KonfirmandInnen, die in Gruppen von Bauern, Handwerkern, Adligen und Klerus eingeteilt waren, bekamen immer wieder neue Aufgaben, die sie meistern mussten. So entstanden am Ende vier Sätze, in denen es um die Freiheit, den Glauben und die Verantwortung für andere ging. „Wenn ihr nur das behaltet, nur diese kurzen Sätze, dann habt ihr das Entscheidende am Protestantismus verstanden“, sagte Brouwer den Jugendlichen, die alle sichtlich großen Spaß an diesem Konfirmandentag hatten.