12. November 2017

Nachricht

Ist das deine Kirche?

Ja, nein, vielleicht...

Bild: Logemann

Am 11.März 2018 werden in allen Gemeinden der Landeskirche Hannovers die neuen Kirchenvorstände gewählt. Der Kirchenkreis Nienburg hat in diesem Zusammenhang eine eigene Plakatreihe entwickelt, zu deren Slogans in den kommenden Monaten jeweils Gespräche mit amtierenden KirchenvorsteherInnen geführt. Diesmal lautet das Thema: Ist das deine Kirche? Ja, nein, vielleicht.

Andrea Franko-Ruprecht kommt aus Steimbke, sie sitzt seit 12 Jahren im Kirchenvorstand, engagiert sich bei dem Projekt „Kino und Kirche“ und springt ansonsten dort ein, wo Hilfe benötigt wird. Neben ihr sitzt Dr. Sonja Bartkowski, sie ist seit sechs Jahren Kirchenvorsteherin in Erichshagen, macht beim Begegnungscafe, beim Adventsmarkt und beim Sommerfest mit, und engagiert sich immer wieder gerne bei verschiedenen Projekten der Kirchengemeinde. Der dritte in der Runde ist Horst Prüfer, seit 18 Jahren Kirchenvorsteher in St. Michael, sein Bereich ist vor allem die kirchliche Kindertagesstätte, aber auch er fast immer dort mit an, wo er gebraucht wird.

Sie kommen aus unterschiedlichen Gemeinden, mit unterschiedlichen Erfahrungen zu einem Gespräch über die Frage „Ist das deine Kirche?“ zusammen. Prüfer und Bartkowski beantworten diese Frage mit einem klaren „Ja“, Franko-Ruprecht zögert etwas und sagt dann: „Ja, doch, das ist schon meine Kirche. Aber ich suche auch immer noch meinen Platz darin.“ Offenbar gehört auch das dazu, wenn man KirchenvorsteherIn ist. Die Frage:  Was macht Kirche für mich aus? Und welche Rolle kann und will ich darin übernehmen?

Dem einen macht die Arbeit im Kirchenvorstand sehr viel Spaß, er hat das Gefühl, die Gemeinde wirklich mitzugestalten und mitzuprägen. Die andere quält sich oft durch die Diskussionen, Finanzentscheidungen und Formalien, die wie in jeder Vorstandsarbeit auch hier dazugehören, macht aber trotzdem weiter, weil sie weiß, dass es wichtig ist. Verantwortung übernehmen sie alle drei – für ihre Gemeinde, für ihre Kirche, für die Menschen vor Ort.

„Bei uns läuft das super“, sagt Bartkowski „die Projekte sind immer auf so viele Schultern verteilt, dass man auch mal ohne schlechtes Gewissen absagen kann, wenn was dazwischenkommt. Das finde ich wichtig, damit man nicht die Lust verliert.“ Wie in vielen Vereinen merken aber auch die Kirchengemeinden, dass es immer schwieriger wird, Menschen zur Mitarbeit zu motivieren: „Ich würde mir einfach noch viel mehr Leute, vor allem junge Leute, wünschen, die sich mit ihren Ideen einbringen und mitgestalten wollen“, erklärt Prüfer. Die Kirchenvorstände sind in der Landeskirche Hannovers die entscheidenden Steuerungsorgane vor Ort – sie entscheiden darüber, was in der Kirchengemeinde angeboten wird und was nicht, was für Gottesdienste gewünscht werden, wofür es Geld gibt und wofür nicht, was mit den Gebäuden geschieht und wie die oft zahlreichen Ehrenamtlichen begleitet werden. Darüber würde auch schon mal kontrovers diskutiert, lacht Prüfer, aber:  „Wir müssen anbieten, was die Menschen brauchen“, sagt er und Franko-Ruprecht ergänzt: „Die Leute wollen Gemeinschaft erleben, das muss oft alles gar nicht so bombastisch sein wie wir manchmal denken.“

Was würden sie sich denn in der Kirche anders wünschen? „Alte Zöpfe abschneiden!“, meint Prüfer entschieden. „Lockerer werden, entscheidungsfreudiger.“ Und Bartkowski meint: „Manchmal müssen wir halt auch aufpassen: Man sollte zwar nicht auf jeden Zug aufspringen, aber manchmal muss man auch aufpassen, dass man den Zug nicht verpasst.“ Genau dafür, für die lebendige, sich immer wieder erneuernde Arbeit in den Kirchengemeinden vor Ort, wünschen sich alle drei neue und alte MitstreiterInnen – damit sie gemeinsam mitdenken, mitreden und mitentscheiden können wie ihre Kirche vor Ort aussehen soll.
 

Melanie Logemann

 
Bild: Landeskirche Hannovers