16. Januar 2018

Nachricht

Nur noch kurz die Welt retten

Bild: Logemann

Am 11.März 2018 werden in allen Gemeinden der Landeskirche Hannovers die neuen Kirchenvorstände gewählt. Der Kirchenkreis Nienburg hat in diesem Zusammenhang eine eigene Plakatreihe entwickelt, zu deren Slogans in den kommenden Monaten jeweils Gespräche mit amtierenden KirchenvorsteherInnen geführt werden. Diesmal lautet das Thema: Nur noch kurz die Welt retten? Rhythmus ändern, Frieden spüren.

Henning Diers ist freischaffender Künstler – und seit 12 Jahren im Kirchenvorstand von St. Martin, Nienburg. Philipp Keßler ist Radioreporter und Musiker - vor 6 Jahren wurde er Kirchenvorsteher in der Gemeine Holtorf. Sabine Pera ist Ernährungsberaterin und engagiert sich seit 10 Jahren in dem Verein „Kirche im Dorf“ in Binnen / Bühren, welcher durch Konzerte und andere Veranstaltungen eine wertvolle Kulturarbeit leistet. An einem Vormittag im Dezember trafen sich die drei auf Einladung des Kirchenkreises, um miteinander über die Bedeutung von Kulturarbeit in der Kirche zu reden.

Den Spruch auf dem Wahlplakat, der in Anlehnung an das Lied von Tim Bendzko  „Nur noch kurz die Welt retten? Rhythmus ändern, Frieden spüren“ lautet, finden sie alle drei gut. Sofort entsteht eine Diskussion darüber und in wie weit unser Anspruch, als ChristInnen die Welt zu retten oder doch zumindest etwas besser zu machen, denn nun angemessen („Genau darum geht es aber doch“) oder überfordernd („Da kann man ja nur resignieren“) sei.

Nach einer Weile wenden sich die drei dann der Frage nach Kulturarbeit in der Kirche zu: „Ich finde, dass die Verbindung von Kultur und Kirche oft noch nicht ausreichend genutzt wird“, sagt Diers. „Wenn Kirche sich als Träger von Kultur und Inhalt zeigt, dann liegt darin eine Chance – aber die Kultur muss vielfältig sein.“ „Ja“, schließt sich Keßler sofort an, „das gilt auch für die Abläufe in den Gottesdiensten – die sind vielerorts immer gleich. Lasst uns die Leute doch mal überraschen!“ Und Pera meint: „Die Kirche ist alten Ritualen verhaftet – manchmal wirkt das wie ein Theater von vor 500 Jahren. Muss das immer so sein? Und müssen wir immer Drama / Tragödie spielen? Geht da nicht noch mehr Richtung Lachen und einer Art Marktplatzstimmung?“ „Und was ist mit Tanz, Film, Medienkunst, Bildern – müssten wir da nicht noch viel mutiger sein?“, fragt Diers.

Dennoch sind sie sich einig, dass Rituale durchaus auch ihren Wert haben und für viele Menschen gerade in der heutigen Zeit wichtig sind. „Aber wenn die Rituale sich nicht wandeln, dann sterben sie irgendwann. Dann sind sie nur noch eine tote Hülle – darum ist es wichtig, dass immer wieder neue Menschen sie weiterführen, anpassen und mit Inhalt füllen“, so Diers. Worauf Keßler meint: „Da sind wir dann ja schon bei den Kirchenvorständen – die sterben nämlich auch aus, wenn nicht neue Leute mit neuen Ideen dazukommen.“ Natürlich dürfe sich nicht alles verändern, darum ginge es ja nicht. Aber die drei sind schon der Ansicht, dass die Angst vor Neuem oft überwiege, und das sei schade. Pera: „Es muss doch um die Frage gehen: Was tut uns hier vor Ort gut? Und dafür sollte man sich dann auch engagieren und Ideen entwickeln.“ „Es wäre jedenfalls echt toll, wenn wir mehr ‚Quereinsteiger‘ in den Kirchenvorständen hätten.“, so Keßler. „Leute, die nicht so ein riesen Vorwissen mitbringen und ganz unvoreingenommen an die Dinge rangehen.“ Zwei von den dreien werden sich bei den Kirchenvorstandswahlen im März aufstellen lassen und hoffen, dass auch viele neue Namen auf den Wahllisten zu finden sein werden.

 
Bild: Landeskirche Hannovers