fruehling

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Glockenläuten am Sonntag

20. März 2020

Gemeinsam - jeder für sich

Bild: Nadine Hartmann

„Nanu, die Glocken läuten? Dabei heißt es doch die Kirchen seien geschlossen!“ – So werden viele denken, wenn am Sonntag zur allgemein üblichen Gottesdienstzeit um 10 Uhr herum die Glocken vieler Kirchen läuten. Wie ist das zu verstehen?

Viele Menschen vermissen den sonntäglichen Gottesdienst und damit das gemeinsame Singen, Beten und Feiern schmerzlich. Doch die Kirchen dürfen in dieser Zeit nicht geöffnet sein. Viel zu groß ist die Gefahr einer Ansteckung bei so großen Versammlungen. Doch wenn es schon kein räumliches Miteinander geben kann, zu dem die Glocken normalerweise läuten, so soll es doch ein gedankliches und fürbittendes geben. Die Glocken rufen jetzt also nicht zum Gebet in der Kirche, sondern zum Gebet zuhause oder im Freien. Durch das Gebet sind Christinnen und Christen immer miteinander verbunden. So bittet der Verfasser des Epheserbriefes am Ende seines Briefes: „Betet täglich und stündlich. Nehmt Gottes Geist bei Euerm Gebet zu Hilfe. Seid wach und bittet beharrlich und ausdauernd“ (Übersetzung von Jörg Zink).

Möglichkeiten zum Beten gibt es viele: manche sprechen gern ein frei formuliertes Gebet, andere einen Psalm aus der Bibel oder das Vater unser, oder sie singen einen Choral. Manche Pastorinnen und Pastoren drucken Predigten (Steimbke und Rodewald), Gebete (Erichshagen) und/oder kleine Andachten (Superintendentur) und legen oder hängen sie vor der Kirche, vor dem Pfarr- oder Gemeindehaus zum Mitnehmen aus, um zeitgleich zu Hause einen kleinen Gottesdienst mit denselben Liedern und Texten zu feiern (Wietzen und Binnen/Bühren). Andere laden ein, Gebetsanliegen zu formulieren und in den Briefkasten des Pfarrhauses zu werfen, damit die Seelsorgerin oder der Seelsorger sie in aller Verschwiegenheit vor Gott bringt (St. Martin und St. Michael). Die Jüngeren werden eher auf die Möglichkeit der digitalen Medien zurückgreifen, in denen es auch sehr viele Angebote zum Beten gibt.

Die meisten der achtzehn Kirchengemeinden des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Nienburg, wie auch die Römisch-katholische und die freikirchliche Gemeinde (Baptisten) beteiligen sich an dieser Aktion. Die Uhrzeiten variieren etwas um 10 Uhr herum, je nach den örtlichen Gottesdienstzeiten

Für den Südkreis des Landkreises Nienburg gibt Superintendentin Dr. Ingrid Goldhahn-Müller bekannt, dass auch die überwiegende Mehrzahl der fünfzehn Gemeinden des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Stolzenau-Loccum sich am sonntäglichen Glockenläuten beteiligen werden. In den Gemeinden Uchte, Lavelsloh, Warmsen, Stolzenau, Schinna, Landesbergen, Leese, Münchehagen und Steyerberg werden ab 10.00 Uhr die Glocken für zehn Minuten erklingen und zum häuslichen Gebet aufrufen. Die Gemeinden Nendorf und Raddestorf haben sich auf die Uhrzeit gegen 10.30 Uhr verständigt, wenn gewöhnlich das Gebetsläuten zum Vaterunser erklingt. Für Loccum und Wiedensahl teilte Pastor Dr. Joachim Diestelkamp mit, dass in Loccum um 10.00 Uhr und in Wiedensahl um 9.55 Uhr geläutet werde. Dabei bestehe die Gelegenheit, sich eine Hausandacht mit Predigt an der Kirchentür abzuholen. Außerdem sei ein E-Gottesdienst, der elektronisch versandt werde, geplant.

Es wäre doch schön, wenn an den vor uns liegenden Sonntagen ganz viele Menschen zur selben Zeit auf diese Art und Weise miteinander als Gemeinde Christi verbunden sind, geistlich miteinander und füreinander beten. Die Glocken, die dazu rufen, erinnern uns daran, dass Gott bei uns ist, auch und gerade in schweren Zeiten, wie wir sie gerade erleben. Der gekreuzigte Christus steht dafür, und ja auch der Beter des 23. Psalms, in dem es heißt: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“

Einen gesegneten Sonntag und viel Gesundheit wünscht Superintendent Martin Lechler