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Finanzielle Schwierigkeiten durch Corona – niemand muss sich schämen

09. März 2021

Hilfen aus dem Diakonischen Werk Nienburg

Bild: DW Nienburg

„Wir haben uns lange gefragt, wo eigentlich die Menschen Hilfe suchen, die als Folge der Pandemie in finanzielle Schieflagen geraten sind“, erklärt Marion Schaper, Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes in Nienburg. „Jetzt wissen wir es. Sie haben die ganze Zeit über versucht, sich mit Bordmittel und Unterstützung aus dem Familien- und Freundeskreis irgendwie über Wasser zu halten. Aber nun rollt die Welle auf uns zu. Was wir gerade sehen, ist allerdings nur die Spitze des Eisberges.“

Aus Scham haben viele Betroffene lange versucht, das Problem zu vertuschen, aber irgendwann geht das nicht mehr.

„Niemand muss sich schämen, öffentliche Leistungen in Anspruch zu nehmen“, meint auch Clemens Becker, Sozialberater im Diakonischen Werk. „Und schon gar nicht, wenn er/sie wegen äußerer Umstände in eine finanzielle Krise geraten ist. Dafür gibt es schließlich die entsprechenden Gesetze und den Anspruch auf staatliche Hilfen.“

Die Pandemie betrifft die gesamte Gesellschaft. In den Medien wird meist über die betroffenen Branchen berichtet, aber es geht nicht nur um fehlende Einkaufs- oder Sportmöglichkeiten: Gegenüber Januar 2020 gibt es mehr als 30% neue Arbeitslose, zudem sind seit März mindestens 2 Millionen (teils über 5 Millionen) Menschen mehr in Kurzarbeit als in früheren Jahren. Das hat Folgen, die sich erst jetzt zeigen.

Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit bedeuten, dass eine Finanzierung, die bisher sorgfältig geplant war, nicht mehr funktioniert. Die Raten für Auto oder Haus können nicht mehr bezahlt, das Studium kann nicht mehr finanziert werden. Oft fehlt auch der Minijob, der auch für viele ALG 2-Empfänger wichtig war, denn die Regelsätze reichen kaum zum Leben. Und eine Perspektive ist noch immer nicht in Sicht.

Trotz der begrüßenswerten Neuerung in der Gesetzgebung, nach der das Jobcenter oder der Landkreis ggf. den Computer zahlen, gibt es noch immer viele Kinder, deren Eltern ebenfalls wenig Geld haben, aber keinen Schulcomputer finanziert bekommen. Dies betrifft EmpfängerInnen von Wohngeld und/oder Kinderzuschlag, deren Geld gerade bei mehreren Kindern oft nicht für den die Computer reicht reichen.

„Besonders Alleinstehende, Alleinerziehende und Kinder leiden unter den fehlenden Kontakt- und Betreuungsmöglichkeiten“ kann Nanett Krüger aus ihrer Erfahrung in der Kurvermittlung berichten. „Alle sind von der langen Krisenzeit erschöpft. Wir sind froh, dass wir trotz der aktuellen Einschränkungen Kuren vermitteln können und hoffen, dass noch mehr Mütter und Väter dies in Anspruch nehmen“

“MigrantInnen leiden besonders unter der Corona- Krise“, weiß Julia Gehrmann Migrationsberaterin, „denn diese droht alle bisher erreichten Fortschritte bei der Integration zunichtezumachen.”

Ein Großteil von ihnen arbeitet in Branchen, die von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie stark betroffen sind. Sie müssen daher besonders häufig um den Verlust ihres Arbeitsplatzes bangen, wenn Sie ihn nicht schon verloren haben.

Der Verlust des Arbeitsplatzes bedeutet dann nicht nur finanzielle Einbußen, sondern auch den? Verlust von Sozialkontakten und der Möglichkeit, die Sprache weiterhin zu verbessern.

Auch für die Kinder bedeutet die Schließung der Schulen und Kitas den Wegfall eines wichtigen Bausteins zum Spracherwerb.

Ebenso führt die häufig beengte Wohnsituation der MigrantInnen dazu, dass die Kinder keinen Rückzug zum Lernen finden können, sodass viele noch weiter zurückfallen und die entstandenen Defizite meistens nicht mehr aus eigener Kraft aufarbeiten können.

“All diese Problematiken haben wir kommen sehen und jetzt, mit einiger Zeitverzögerung liegen die Probleme quasi vor unserer Tür“, so Marion Schaper. “Viele Menschen wissen nicht, was Ihnen zusteht. Zum Beispiel, dass sie trotz Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit Wohngeld und ggf. Kinderzuschlag beantragen können. Oder sie wissen nicht, dass man Arbeitslosengeld 2 auch zusätzlich zu Arbeitslosengeld 1 beantragen kann. Wir möchten Menschen ermutigen, aus der Deckung zu kommen, ihre Scham über Bord zu werfen und sich mit unseren BeraterInnen in Verbindung zu setzen.“

Zurzeit können Sie per Telefon, Mail, Brief und WhatsApp Kontakt aufnehmen.