Taizelichter

Bild: M. Logemann

Angedacht

05. März 2021

Beten

Dass wir wegen der Corona-Lage mancherorts zur Zeit wieder keine
Gottesdienste feiern, trifft uns besonders hart. Doch auch wenn das
gemeinschaftliche Gebet ruhen muss, heißt das nicht, dass wir das
Beten einstellen müssten. Im Gegenteil!
Beten hilft! Das meint nicht, dass man naiv glaubt, man könne mit
dem Gebet das Virus stoppen und auf hygienische Maßnahmen
verzichten. Vielmehr sind wir aufgerufen, die Anliegen, Sorgen, Nöte
und Ängste der Menschen vor Gott zu bringen. Das ist gelebte Solidarität.
Beten ist die einfachste Form mit Gott in Kontakt zu bleiben. Es
braucht dazu wenige Worte: Manchmal genügt ein „Oh, Gott“. Wie
oft ist dieses kurze Gebet in der letzten Zeit wohl gesprochen worden?
Laut oder leise, weil die Pandemie-Erfahrung so Viele überfordert.
Wie gut, dass ein Ansprechpartner da ist, dem wir alles anvertrauen
dürfen. Einfach so. Ohne große Worte.
Wenn uns die Worte fehlen, ist es gut, sich auf die zu besinnen, die
man seit Kindertagen kennt, die alles zusammenfassen, was das
Leben ausmacht: „Das Vaterunser“: Weltumspannend in allen Sprachen,
von allen Christen wird es gebetet. Jeder spricht es in seinem
eigenen Lebensrhythmus.
Es rückt mein Leben zurecht. Es zeigt mir, ich bin Teil eines Ganzen.
Nicht alles liegt in meiner Hand oder meinem Ermessen. Ich muss
im Leben auch damit zurechtkommen, dass das Leben sehr überraschend
sein kann. Ich darf um das bitten, was ich zum Leben brauche.
Ich bin immer Versuchungen ausgesetzt, das Böse zu tun und
das Gute zu lassen. Es geht anderen so wie mir - deshalb die Aufforderung,
barmherzig zu sein. Wir alle brauchen die Barmherzigkeit,
um zu leben. So gehört die Vergebung zu unserem Leben,
denn ohne sie werden wir immer Gefangene sein. Es ist ein hoffnungsvolles
Gebet, das über unser Leben hinausweist. Die Liebe ist
der Grundton dieses Gebets.
Beten heißt, mit Gott zu reden. Mit ihm in Beziehung zu treten. Den
Kontakt mit ihm aufzunehmen, aber auch hinzuhören, sich füllen zu
lassen.
Beten heißt, sich klar zu machen: ich habe nicht alles in der Hand.
Beten heißt, voller Vertrauen auf Gottes Beistand durch den Tag mit
all seinen Herausforderungen zu gehen und zu entdecken, was er
mir alles schenkt.
Deswegen ist es gut, beharrlich zu beten, Gott zu bitten, ihm zu
danken und zu loben. Nicht, weil Gott unsere Gebete nötig hätte,
sondern weil wir sie brauchen, weil Beten uns trotz unserer endlichen
Kraft zuversichtlich und geduldig,

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Pastor Tobias May