Taizelichter

Bild: M. Logemann

Angedacht

15. Mai 2019

Himmelfahrt

Morgen ist Himmelfahrt, Vatertag, zumindest für Jesus: Himmelfahrt bedeutet nichts anderes als dass Jesus zurückkehrt, zu dem, den er seinen Vater genannt hat: zu Gott.
Himmelfahrt ist die Antwort auf die Frage, wo wir Jesus finden können: Bei seinem Vater. In diesem Sinn kann Himmelfahrt für uns alle zum Vatertag werden. Denn Jesu Himmelfahrt erinnert uns daran, dass wir im Himmel einen Vater haben. Wir können zu Gott „Vater" sagen. Jesus selbst
hat gesagt, dass wir so zu Gott beten können: „Abba, lieber Vater“. „Abba“, aus dem Aramäischen übersetzt, bedeutet soviel wie „Papa“. So vertrauensvoll, so intim können wir mit Gott reden. Er ist nicht unendlich weit weg, sondern der Himmel kommt uns nahe, gerade auch, wenn wir beten.
Beten ist nicht das magische Beschwören einer fernen Gottheit, Beten ist vielmehr eine Lebenshaltung, in der ich mir immer wieder klar mache: Das, was wichtig ist im Leben, kann ich nicht selber machen. Das Leben selbst ist ein Geschenk. Gut leben kann ich, wenn ich alles empfange aus Gottes Hand.
Wenn Gott unser Vater ist, hat unser leiblicher Vater nicht uneingeschränktes Gewicht. Und unsere Mutter ebenso wenig - denn Gott ist ja auch wie eine liebende Mutter. Vater unser im Himmel, das beinhaltet die Freiheit von der Allmacht der Eltern. Wie viele Menschen leiden ihr Leben lang unter dem, was ihre Eltern ihnen angetan haben. Kinder sind nicht Besitz ihrer Eltern, sondern diesen nur von Gott anvertraut. Wenn Gott unser Vater im Himmel ist, dann können wir an Gott auch erkennen, was es bedeuten kann, Vater oder Mutter zu sein. So wie Gottes Liebe zu uns Menschen ist, so könnte auch die Liebe der Eltern zu ihren Kindern aussehen: Begleitung auf dem Weg in die Freiheit. In unserer Welt sähe Vieles anders aus, wenn Kinder und Jugendliche in einem Klima solch freimachender Liebe aufwachsen könnten. Gottes Liebe ist gewaltlos, das mag utopisch erscheinen in einer Welt, in der brutale Gewalt uns immer wieder erschrecken lässt. Doch vielleicht wäre es eine weise Reaktion, wenn wir uns nicht nur im Bereich der Erziehung vom Maß der Liebe Gottes leiten ließen.
So könnte Himmelfahrt wirklich ein guter Vatertag sein: ein Tag, an dem Väter ins Nachdenken kommen, ein Tag, an dem wir Alle auf unseren gemeinsamen Vater im Himmel blicken. Genau so wünsche ich uns allen morgen, nicht nur den Männern, einen gesegneten Vatertag.

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Herr Pastor Tobias May