Taizelichter

Bild: M. Logemann

Angedacht

05. März 2021

Löwenzahn

Er blüht so schön in dieser Zeit, am Wegrand oder auf den grünen Wiesen in unseren Gärten.

  Löwenzahn wächst nur dort, wo die Sonne scheint. Deshalb heißt er wohl auf Lateinisch auch „Braut der Sonne" oder „der Sonne folgend". In der Kirche ist Löwenzahn ein Symbol für Licht, für das Licht Christi.

  Löwenzahn ist für mich kein Unkraut. Denn Löwenzahn gedeiht nicht nur auf saftigen Wiesen, sondern auch da, wo es kaum möglich erscheint: in Asphaltritzen und auf Schuttplätzen. Achten Sie einmal darauf: Bestimmt treffen Sie heute auch irgendwo auf eine leuchtend gelbe Löwenzahnblüte und wundern sich, dass sie dort wachsen kann.

  So ist es auch mit dem Licht Christi. Es kann uns begegnen, wo wir es kaum erwarten würden: in einer Krankheit, im Scheitern, bei einer schmerzhaften Trennung, oder jetzt in der Zeit der Pandemie. Es gelangt auch dorthin, wo es kaum möglich erscheint.

  Auch auf einem Altarbild habe ich den Löwenzahn entdeckt, ganz versteckt. Es zeigt den toten Jesus am Kreuz. Nicht gerade ein hoffnungsvolles Bild auf den ersten Blick. Doch der Löwenzahn weist schon darauf hin: Jesus wird auferstehen, bald geht die Finsternis zu Ende, bald kommt das Licht; er predigt von Himmelfahrt und Pfingsten.

Schön, dass der Löwenzahn überall blüht und schön, dass er uns an das Wunder erinnert und wir die Auferstehung als ein Wunder wahrnehmen. 

Claus Venz