Taizelichter

Bild: M. Logemann

Himmel & Alltag

17. April 2026

Kommunikatives Handeln im Alltag

Sind Sie schon einmal einer berühmten Person begegnet? Mir ist das mal mit dem Fußballer Torsten Frings auf einer Autobahnraststätte passiert. Und einmal habe ich am Hauptbahnhof von Bielefeld auf einen verspäteten Zug gewartet, als plötzlich Jürgen Habermas neben mir stand. Habermas, der im März verstorbene berühmte Philosoph.

Torsten Frings haben wir damals angesprochen. Einer aus unserer Gruppe wollte ein Autogramm für seinen kleinen Bruder mitnehmen. Den großen Philosophen Habermas, mit Koffer in der Hand und Blick auf die Verspätungsanzeige der Bahn, anzusprechen, habe ich mich allerdings nicht getraut. Dabei hätte der bestimmt mehr zu sagen gehabt als der wortkarge Fußballer. 

Ich habe also mit dem Entwickler der Theorie des kommunikativen Handelns nicht kommuniziert. Wir hätten darüber reden können, wie schlimm es doch mit den Verspätungen bei der Bahn geworden ist. Dieses Gespräch hätte nach Habermas Theorie selbst zwischen einem weltberühmten Philosophen und einem einfachen Studenten als Verständigung zweier gleichberechtigter Bürger ohne Hierarchie ablaufen müssen. Aber hatte Habermas dabei nicht eher eine Verständigung über gemeinsame Werte und große politische Entscheidungen im Sinn als ein Anquatschen von der Seite am Bahnhof? Die Gelegenheit, ihn das zu fragen, habe ich leider verpasst.

Vielleicht ist das ein guter Vorsatz für stressige Situationen: Wenn Sie am Bahnhof stehen oder im Zug sitzen und sich wieder einmal über die Verspätungen ärgern, seien Sie nett zu ihren Mitreisenden und zum Personal der Bahn. Ein freundliches Lächeln und ein nettes Gespräch mit den Menschen, die in derselben misslichen Lage sind wie Sie, das ist kommunikatives Handeln im Alltag. Muss man sich nur trauen.

Micha Heitkamp, Kirchenkreisjugenddienst 

Micha Heitkamp
Tel.: 05021 979652