Taizelichter

Bild: M. Logemann

Angedacht

16. April 2022

Gott hält uns

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

Ein, aus, einatmen, ausatmen: Gestern auf der Waldrunde durch die Köhler Berge. Der Spaziergang, die frische Luft tun gut. Waldrunde, so haben wir sie getauft, meine Freundin und ich. Morgen Abend wird es vielleicht die Alpheide-Runde werden oder die über den Weserwall. So viel wie in den letzten zwei Jahren bin ich früher nicht spazieren gegangen. Eine ganze Weile haben wir es durchgehalten, jeden Abend eine gute Stunde. Irgendwann ist der Gesprächsstoff aufgebraucht. Dann hören wir auf unseren Atem: Ein, aus. Und dann dazwischen: Diese kleine Pause! Eine kurze Weile, in der nichts passiert. Der Atem steht still. Ein Moment, in dem sich nichts verändert, nichts bewegt. Halten, aushalten. Am Samstag nach dem Karfreitag ist ein ganzer Tag dem Halten und Aushalten gewidmet. Ein Mensch ist gestorben. Jesus ist tot. Das Schreckliche ist geschehen. Der Atem wird angehalten. Wie es war, wird es nicht mehr sein. Ein Mensch ist gestorben, hier bei uns, oder dort: in der Ukraine. Andere haben alles verloren. Worte dafür lassen sich nicht finden. Einfach weitermachen, so wie immer, geht nicht. Anhalten, aushalten. Ich glaube: Gott ist dabei. Gott hält uns. Wir halten uns an Gott und an die Hoffnung: Ostern kommt! Das Leben wird wieder aufblühen. Wir werden unsere Wege laufen. Die Waldrunde liegt neu vor uns: der Frühlingswald mit Anemonen, Scharbockskraut und Lerchensporn. Aber heute, heute ist Zeit für eine Pause. Wir sammeln unsere Gedanken, sammeln Kraft. Wir schöpfen Atem. Gott ist dabei. Gott hält uns.

Prädikantin Johanna Gronau