Taizelichter

Bild: M. Logemann

Angedacht

02. März 2020

Himmelfahrt

Der Himmel ist leer. Nicht nur, weil kaum Flugzeuge mehr zu sehen sind. Oder weil er so unendlich weit ist. Nicht, weil es keine Marsmännchen gibt. Und auch nicht, weil die Zahl der Fluginsekten in erschreckendem Umfang zurückgegangen ist.

Der Himmel ist leer, weil Gott nicht da ist.

Und doch bete ich „Vater unser im Himmel“. Trotzdem schaue ich gen Himmel, wenn ich an Gott denke. Und wenn ich „gen Himmel führe“, so sichert mir Psalm 139 zu, „so bist du [Gott] da“.

Aber schon der weise König Salomo wusste: „Der Himmel und aller Himmel Himmel können dich [Gott] nicht fassen.“ Nein, Gott ist nicht im Himmel. Er schwebt nicht in unendlicher Höhe über den Wolken.

Am Donnerstag feiern wir Himmelfahrt. Jesus ist vom Tod auferstanden und vor seinen Jüngern aufgetaucht. Dann gab er ihnen einen Auftrag und stieg schließlich in den Himmel auf. Man kann sich diesen Aufstieg als Thronbesteigung vorstellen: Christus hat sich zur Rechten Gottes gesetzt.

Wenn die Queen von England abdanken würde, würde man auch die Inthronisation ihres Nachfolgers feiern. Wäre es Charles oder William? Ich weiß es nicht…

Aber warum feiern wir dieses Thronjubiläum Jesu Jahr für Jahr? Zumal, wenn Gott doch gar nicht im Himmel ist und Christus dann auch nicht dort neben ihm sitzt?

Der Himmel ist ein Teekesselchen. Himmel bezeichnet zum einen die Ansicht, die sich einem Betrachter bietet, wenn er von der Erde aus in den Weltraum blickt. Der Himmel ist aber eben auch ein Bild. Im Englischen gibt es zwei Wörter für Himmel: sky und heaven. Das macht es klarer. Sky gehört den Wolkenkratzern und Flugzeugen, heaven gehört Gott.

Der heaven-Himmel ist da, wo Gott ist. Er ist das Gegenüber zur Erde. Dieser Himmel steht für unfassbar und alles umfassend, grenzenlos und entgrenzend, wundervoll und voller Wunder. „Himmlisch“ finden wir Dinge, die einfach nur überirdisch schön sind. Der Heaven-Himmel ist nicht leer, sondern voll. Dort sind Gott und Jesus Christus zu seiner Rechten und die Engel…

Als Jesus in den Himmel auffuhr, ging er in Gottes Himmel. Und damit gar nicht so weit weg. Wir feiern an Himmelfahrt, dass Jesus immer noch gegenwärtig ist. Und dass er einst wiederkommen wird auf die Erde. Aber das ist eine andere Geschichte.

Der göttliche Himmel ist der Welt gegenüber, aber trotzdem nur einen Herzschlag weit weg. Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist ist uns stets nah.

Manchmal schaue ich dennoch nach oben und warte auf Gott. Und ich sehe nicht, wie er längst neben mir steht. Nicht real und aus Material, aber wirklich und wahr. Und sobald ich ihn wahrnehme, spüre ich den Himmel auf Erden.

Cordula Schmid-Waßmuth
Pastorin Cordula Schmid-Waßmuth