Taizelichter

Bild: M. Logemann

Angedacht

02. März 2020

Auf dem Weg

Es begab sich aber, als die Zeit erfüllt war, und sie auf dem Wege waren…

Mit diesen Worten beginnt der Predigttext des kommenden Sonntags. Jesus ist mit seinen Jüngern auf dem Weg nach Jerusalem. Und auch wir machen uns langsam auf den Weg – nicht nach Jerusalem, aber auf den Weg hin zum Osterfest. Die ersten Schokoladenosterhasen locken in den Supermarktregalen und seit ein paar Tagen schießen die Krokusse förmlich aus dem Rasen – ja, und die Fastenzeit hat begonnen. Sieben Wochen, dann ist Ostern.

Es begab sich aber, als die Zeit erfüllt war, und sie auf dem Wege waren…

Schon im Alten Testament ist Gott mit seinem Volk Israel auf dem Weg, verändert sich selbst und sucht immer wieder neue Wege, uns Menschen zu begegnen. Und auch Jesus baut sich mit seinen Jüngern kein Seminarzentrum am See Genezareth, sondern zieht durchs Land, predigt mal hier und mal dort, ist mit den Menschen auf dem Weg.

Und als sie auf dem Wege waren…

Wenn wir auf dem Weg sind, entdecken wir Neues, machen neue Erfahrungen, lernen neue Menschen kennen, verändern uns selbst, erfahren Freiheit. Viele junge Menschen nutzen darum die Zeit nach dem Schulabschluss, um ein Jahr ins Ausland zu gehen – um auf dem Weg zu sein.

Und als sie auf dem Wege waren…

Wenn wir auf dem Weg sind, gibt es keine Sicherheit, die Anstrengung ist zermürbend, das Leben voller Unbequemlichkeiten und Entbehrung, manchmal sogar Gefahr. Die Flüchtlinge, die sich vergangene Woche voller Hoffnung auf den Weg an die griechische Grenze gemacht haben, taten das nicht, um ein Abenteuer zu erleben, sondern aus reiner Verzweiflung.

Gott ist mit uns auf dem Weg – auf den Wegen, die wir selbst wählen und auf den Wegen, die das Leben uns zu gehen zwingt. Er nimmt uns die Angst vor dem Unbekannten und feiert gemeinsam mit uns das Abenteuer des Lebens. Und wenn wir auf Wege gestoßen werden, die kein Mensch freiwillig gehen würde, bleibt er an unserer Seite. Geht mit, leidet mit, hofft mit. Er harrt aus im Niemandsland zwischen der Türkei und Griechenland, drückt im Wartezimmer beim Arzt unsere zitternde Hand und hält uns auf dem Friedhof in den Armen bis die Tränen versiegen. Denn Gott ist mit uns auf dem Weg.

Foto
Melanie Logemann