Taizelichter

Bild: M. Logemann

Angedacht

23. Juli 2019

Der Gedenktag der Maria Magdalena

Wussten Sie, dass vorgestern, am 22. Juli, der Tag der Maria Magdalena war, ein ökumenischer Gedenktag?

Ich gebe zu, ich habe es nicht so mit Heiligengedenktagen. Außer mit denen von St. Martin natürlich und St. Nikolaus. Aber der 22.7. ist inzwischen nicht nur ein Heiligengedenktag, wie es derer viele gibt. 2016 erhob Papst Franziskus ihn zum „Fest“. Damit stellte er Maria von Magdala, wie sie auch heißt, den Aposteln gleich. Jedenfalls was den Rang ihres Gedenkens im Heilgenkalender betrifft. Radio Vatikan meinte damals, dies sei „ein großer Schritt für die Wertschätzung der Rolle von Frauen in der Kirche“. Das kann ich nicht sehen, aber sei`s drum.

Maria ist so oder so eine ziemlich beliebte und sagenumworbene Frau. Sie schien im Kreis der Jünger und Jüngerinnen – ja, es waren auch Frauen darunter – eine besondere Stellung gehabt zu haben. Jedenfalls wird ihr Name in Aufzählungen immer als Erste genannt. Schon seit Jahrhunderten hält sich hartnäckig das Gerücht, sie habe eine erotische Beziehung zu Jesus unterhalten. Dabei ist sie die einzige, zu der er einmal sagt: „Fass mich nicht an!“

Leider gibt es außer diversen Legenden nur wenige Informationen über ihr Leben. Aber manches weiß man recht sicher: Zum Beispiel, dass sie und zwei andere Frauen bei Jesus bleiben, als er am Kreuz stirbt. Seine Freunde machen sich aus dem Staub. Und dass sie sich traut, im Dunkeln zum Friedhof zu gehen. Dass sie in Jesu Grab zwei Engel entdeckt, wo Petrus und Johannes nur weiße Tücher sehen. Und schließlich dass sie Jesus erkennt und die erste Zeugin und Verkündigerin seiner Auferstehung ist. Wäre das nicht so gewesen, hätte es keiner freiwillig erzählt und niedergeschrieben. Schließlich war das für die männlichen Jüngerkollegen blamabel genug.

Ich habe den Festtag der Maria von Magdala zwar nicht gefeiert. Aber mir imponiert ihr Mut und dass sie wahrnimmt, was andere nicht sehen. Ich glaube, ich trage mir den Gedenktag für nächstes Jahr in meinen Kalender ein. Mal sehen, vielleicht mache ich am 22. Juli 2020 eine Ermutigungsfeier für Frauen.

Cordula Schmid-Waßmuth
Pastorin Cordula Schmid-Waßmuth