Taizelichter

Bild: M. Logemann

Angedacht

17. September 2021

Vom Zuhören

Mögen Sie Hörbücher? Wenn ich länger alleine mit dem Auto unterwegs bin, dann höre ich gerne Hörbücher. Das ist dann ein bisschen so, als hätte ich einen Beifahrer, der mir etwas vorliest.

Vorlesen, das war für mich als Kinder immer etwas Besonderes. Am Anfang natürlich weil ich selber noch nicht lesen konnte. Aber auch später war das so, als ich selber gerne gelesen habe: Wenn meine Mutter uns Kindern abends etwas vorgelesen hat, dann war und blieb das etwas Besonderes!

Im Studium habe ich das Vorlesen nochmal neu entdeckt: Mit zwei Freundinnen bin ich in den Urlaub gefahren und wir haben eine gemeinsame Urlaubslektüre mitgenommen. Abends haben wir dann gemütlich zusammengesessen und haben uns reihum dieses Urlaubsbuch vorgelesen.

Vorlesen ist etwas Besonderes. Da wird das Lesen automatisch langsamer. Man kann nicht einfach etwas überspringen. Jedes einzelne Wort wird ausgesprochen und zum Klingen gebracht.

Im Judentum ist es üblich, dass die Texte der Thora, der jüdischen Bibel, grundsätzlich laut gelesen werden. Auch wer sie nur für sich liest, murmelt die Worte zumindest leise vor sich hin. Auch bei uns sind die Lesungen aus der Bibel ein wichtiger Teil in jedem Gottesdienst. Als Pastorin habe ich schon öfter mit denjenigen, die im Gottesdienst Lesungen übernehmen, kleine Übungen in der Kirche gemacht. Zum Beispiel liest jeder einen kurzen Text auf der Bibel vor und soll in jedem Satz nur ein Wort betonen. Das ist gar nicht so leicht! Man muss sich vorher genau überlegen, welches Wort besonders wichtig ist und betont werden soll. Dadurch liest man einen Text viel genauer, als wenn man ihn nur leise für sich lesen würde.

In der Bibel, im Hebräerbrief, heißt es: „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht.“  Gottes Stimme ist gar nicht so leicht herauszuhören aus dem Lärm unserer Welt. Und Gottes Wort ist gar nicht so leicht herauszulesen aus unserem Alltagstrubel. Man muss sich Zeit nehmen dafür, wie beim Vorlesen. Man muss sich Zeit nehmen, um genau hinzuhören und hinzuschauen. Manchmal auch ein zweites, ein drittes oder ein viertes Mal.

Vielleicht haben Sie Lust, sich einen bekannten Text aus der Bibel zu nehmen und ihn laut (vor)zulesen?! Ich wünsche Ihnen offene Augen und Ohren, um Gott darin zu entdecken!

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Pastorin Dorothea Luber