Taizelichter

Bild: M. Logemann

Angedacht

12. November 2022

Sankt Martin mit dem Schwerte teilt den warmen Mantel unverweilt

Wissen Sie, wann Ihr Namenstag ist? Ich habe meinen mal nachgesehen, vergesse aber immer, wann der ist. Einen bestimmten Namenstag kennen wir alle: den Martinstag. Also herzlichen Glückwunsch allen Martins, Euer Namenstag war gestern, am 11.11. Kann man sich gut merken.

Logisch, dass ich als St. Martins-Pastorin was dazu schreibe! Schließlich ist unsere Kirche in der Altstadt von Nienburg nach dem beliebten Heiligen benannt. Und in unseren Kirchenfenstern ist manches aus den Martinslegenden zu entdecken: Martin von Tours im Bischofsgewand, die Martinsgans und Martin als Soldat, wie er seinen Mantel per Schwert mit dem Bettler teilt.

Soldat wurde er übrigens wider Willen, mit 15 Jahren auf Druck seines Vaters, einem römischen Offizier. Zunächst eingesetzt in der Leibwache des Kaisers traf Martin bei seinem (ge)denkwürdigen Ritt durch die Kälte bei Amiens auf den frierenden armen Mann.

Später verließ Martin den Militärdienst. Denn als Christ konnte er sich nicht vorstellen, weiter in den Krieg zu ziehen. 

Diese Freiheit hatten und haben heute viele nicht. Ich denke an Weihnachten, egal ob im Dezember oder Januar gefeiert. Daran, wie Soldaten und Soldatinnen das Fest ohne ihre Familien und ohne Weihnachtsgottesdienste verbringen müssen. Ohne die Botschaft des Friedensfürsten und ohne Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende. Und es schnürt mir die Kehle zu.  

Wir Christinnen hören daher nicht auf, uns weiter für Frieden einzusetzen und für ihn zu beten. Am morgigen Volkstrauertag, während der Friedensdekade, die wir bis Buß- und Bettag feiern, und weiter darüber hinaus.

Auch für ein friedliches Miteinander in unserer Gesellschaft beten und arbeiten wir, dass die soziale Kälte nicht zunimmt, sondern schmilzt.

Kühl wird es jedoch von den Temperaturen her in diesem Winter in unserer St. Martinskirche. Denn wir sparen Energie, damit es woanders nicht knapp wird. Für uns Ehrensache – und eine Frage der Vernunft und Solidarität sowieso. Wir feiern unsere Advents- und Weihnachtsgottesdienste daher dieses Jahr mit sehr gedrosselter Heizung aber mit besonders warmen Herzen und im Vertrauen auf Gott. Denn Gott kommt und schenkt Frieden, davon sind wir überzeugt. Trotzdem haben wir flauschige Decken für die Gottesdienstbesucher gekauft. (Bitte nicht zerschneiden;-)

Den Martinstag gestern zu feiern mit Laternen und süßem Gebäck, Liedern und der Geschichte von der Mantelteilung hat Spaß gemacht. Martins Message einander zu helfen und zu teilen bleibt weiter aktuell.

 

Ihre Martinspastorin Cordula Schmid-Waßmuth

 

Cordula Schmid-Waßmuth
Pastorin Cordula Schmid-Waßmuth