Taizelichter

Bild: M. Logemann

Angedacht

22. Januar 2021

Beten lässt die Hoffnung wachsen

Auf Facebook las ich von einer Gemeinde, die persönliche Jahreslosungen verschickt. Man musste nur eine Email hinschicken, und ein Zufallsgenerator wählte unter hunderten ein Bibelwort aus. Ich habe es ausprobiert und bekam eine hübsche Postkarte zugemailt. Ich rieb mir verwundert die Augen, als ich den Vers darauf las: „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.“ (Römer 12,12) Passender geht es kaum!

Nun ist das leichter gesagt als getan. Und überhaupt, man kann doch nicht befehlen, fröhlich zu sein. Weiter Geduld zu haben ist gerade echt schwer. Und beharrlich zu beten – bringt das etwas?

Ich glaube, dass Beten etwas bewirkt. Gewiss verändert es nicht immer und sofort die Welt. Die Pandemie wird nicht morgen vorbei sein, wenn ich Gott darum bitte. Ihre Bewältigung braucht einen langen Atem und all unsere Anstrengung. Aber dabei hilft mir das Gebet.

Ich wäre heute nicht die, die ich bin, wenn Menschen nicht für mich gebetet hätten. Als Jugendliche ging ich in einen CVJM-Kreis in unserer Gemeinde. Als wir uns einmal bei unserer Diakonin zuhause trafen, erzählte diese nebenbei, dass sie jeden Abend für jede Einzelne von uns bete. Das hat mich tief beeindruckt. In den darauffolgenden Monaten fiel mir beim Zubettgehen oft ein, dass gerade jemand an mich denkt und für mich bittet. Ich fühlte mich wertgeschätzt und geborgen.

Mir ist das Gebet für andere heute ebenfalls wichtig. Ich bete für diejenigen, denen ich schreibe, mit denen ich telefoniert habe oder die mir einfach in den Sinn kommen. Ich denke an sie und befehle sie Gott an. Ich bitte ihn, sie zu bewahren und ihnen da zu helfen, wo keiner sonst es vermag. In Pandemiezeiten hat das noch mehr Bedeutung für mich als sonst.

Das Gebet bringt mich in Verbindung mit Gott. Und es verändert mich. Es hilft mir, neu Vertrauen zu fassen und mich in Geduld zu üben. Gerade wenn starr vor Entsetzen oder stumm vor Angst bin, hilft es mir einen Weg aus dieser dunklen Höhle heraus zu finden. Das Gespräch mit Gott erinnert mich daran, dass dass Gott mir den Rücken stärkt.

Und das lässt Hoffnung wachsen. Hoffnung kommt ja nie groß und laut daher. Sie ist kein laut hupender Lastwagen. Sie ist eher leise und so klein, dass man sie mehr zufällig entdeckt. Wie so ein Schneeglöckchen, dass plötzlich da ist. Wahrscheinlich spricht man deshalb von aufkeimender Hoffnung.

Nein, befehlen kann man es nicht, Hoffnung zu haben. Aber wer betet und sich in Geduld übt, der macht so manches Mal die Erfahrung, dass sich die Hoffnung leise dazugesellt.

Eine andere Übersetzung, die der Zürcher Bibel, gibt Römer 12,12 übrigens ohne Imperativ wieder: „In der Hoffnung freuen wir uns, in der Bedrängnis üben wir Geduld, am Gebet halten wir fest.“

Cordula Schmid-Waßmuth
Pastorin Cordula Schmid-Waßmuth