Taizelichter

Bild: M. Logemann

Himmel & Alltag

03. Oktober 2026

Erntedank – oder: Wenn der Apfelbaum sich bedankt

Mit roten Äpfeln bedankt sich der junge Apfelbaum, den mir der Männerkreis meiner ehemaligen Kirchengemeinde zum Abschied geschenkt hat. Dabei hatte der Baum gleich mit Widerständen zu kämpfen. Ein aufwändiger Umzug und ein warmer, aber viel zu trockener Sommer.

In diesen Tagen liegt der Tag der Deutschen Einheit und das Erntedankfest direkt beieinander. Rund um den Altar dekorieren Körbe voll Obst, Gemüse, Getreide und Brot die Kirche – den Saal oder die Scheune. Auch wir stoßen wie mein junger Apfelbaum auf Widerstände. Nicht nur Sprit, auch Lebensmittel wie Obst und Gemüse werden spürbar teurer. Manche wissen nicht, wie sie bis zum Ende des Monats auskommen. Dankbar sein wofür? Die deutsche Einheit feiern, wenn viele einander nicht mehr zuhören, ja nicht mal miteinander sprechen wollen und Fronten sich verhärten? Grund genug, sich Sorgen zu machen… Paulus hält dagegen. Aus dem Gefängnis heraus fordert er dazu auf, sich trotzdem zu freuen, sich keine Sorgen zu machen, sondern dankbar zu bleiben.

Danken macht nicht nur glücklicher, sondern kann auch Widerstand sein. Wenn ich Gott danke für Essen, für Menschen oder Tiere an meiner Seite, für das Dach über dem Kopf und für das Wunder des Lebens, widerstehe ich Angst und Hoffnungslosigkeit in meinem Leben. Beim Danken werden Glückshormone ausgeschüttet. Regelmäßige Dankbarkeit verändert sogar das Gehirn zum Positiven. Die Erntedankgaben erinnern uns auch an das: Wenn wir nicht nur mit Dank die Gaben, sondern auch unser Zusammenleben teilen, wächst Einheit: Die Sorgen der anderen ernstnehmen, Brücken bauen und das Leben teilen, auch wenn wir verschiedene Meinungen haben.

Frank Weßler, Pastor in Kreuz und St. Johannis sowie St. Martin 

Pastor Frank Weßler
Oppermannstr. 14
31582 Nienburg