Soulfood fürs Herz
Manchmal hilft nur Hühnersuppe. Es gibt Tage, da hilft kein guter Rat, kein Podcast und kein Motivationsspruch auf einer Tasse. Warum auch immer – Hühnersuppe kann mehr, als sie eigentlich sollte. Mit jedem Löffel wird ein „Alles wird gut“ mitgeliefert, weil im Hinterkopf Omas Stimme sagt: „Komm, setz dich hin. Ich mach dir was Warmes.“
Hühnersuppe ist so etwas wie die Netflix-Serie unter den Lebensmitteln: Man muss nicht viel nachdenken, fühlt sich schnell besser und darf so tun, als wäre die Welt für einen Moment lang einfacher.
Mein inneres Wohnzimmer braucht solche Pausen – denn da geht es oft zu wie bei einer WG-Party: zu viele Chips, zu viel Stress-Geschirr, zu viele Einer-geht-noch-Besucher, die man ungern wieder einlädt.
Zum Jahresanfang versuchen viele von uns, Ordnung zu schaffen: weniger Alkohol, mehr Sport, weniger Schokolade, mehr Gemüse. Klingt nach Ernährungsdocs und Crossfit – vernünftig, aber unsexy. Kein Wunder, dass die guten Vorsätze schneller verschwinden als Plätzchen im Dezember.
Vielleicht geht’s anders: Statt ständig an mir herumzukritteln, könnte ich einfach einmal freundlich zu mir selbst sein – so, wie ein Freund es wäre. Denn Wärme, Trost und Fürsorge sind nicht peinlich, sondern lebensnotwendig. Darum taugt Hühnersuppe als Soulfood und als Bild dafür, wie Gottes Nähe funktioniert. Mit einer warmen Suppe bekomme ich einen Augenblick, in dem ich den Kopf heben und durchatmen kann. Und in diesem Moment lässt sich etwas von der himmlischen Begleitung ahnen, die sich oft unspektakulär zeigt – als leises Gefühl, nicht allein zu sein. Gott sei Dank.
Pastor Bernd Niss, Liebenau