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Gedenkveranstaltungen am 27. Januar

29. Januar 2026

"Seien wir nicht gleichgültig!"

Nienburgs Bürgermeister Jan Wendorf (links) mit den ernannten "Botschafterinnen und Botschaftern der Erinnerung". Bild: Stadt Nienburg/Weser

Mit einer Reihe von Gedenkveranstaltungen hat die Stadt Nienburg/Weser am 27. Januar 2026 an die Befreiung des nationalsozialistischen Vernichtungslagers Auschwitz erinnert. 81 Jahre nach der Befreiung durch sowjetische Soldaten stand dabei nicht nur das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus im Mittelpunkt, sondern auch die Frage, wie Erinnerung in der heutigen Gesellschaft lebendig gehalten werden kann.

Den Auftakt bildete eine interreligiöse Andacht auf dem jüdischen Friedhof, gestaltet von Pastorin Dorothea Luber (Kirchengemeinden St. Michael und St. Martin). Im Anschluss fand eine Gedenkstunde an der Erinnerungstafel der jüdischen Gemeinde statt. Martin Lechler vom Arbeitskreis Gedenken der Stadt Nienburg/Weser erinnerte dort an die Schicksale der Nienburger Jüdinnen und Juden.

Am Abend setzte sich das Gedenken im Vestibül des Nienburger Rathauses fort. Bürgermeister Jan Wendorf unterstrich die Bedeutung des 27. Januar, gerade vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen. Erinnerung sei kein abgeschlossener Prozess, sondern eine Aufgabe, die immer wieder neu übernommen werden müsse. Es sei daher enorm wichtig, junge Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren.

Im Fokus des weiteren Programms stand die Gedenkstättenfahrt des Kirchenkreises Nienburg nach Oświęcim (Auschwitz) im vergangenen November. Torsten Rötschke, Vorsitzender der Kirchenkreissynode, führte in das Projekt ein und machte deutlich, dass die Erinnerung an Auschwitz kein rein historisches Gedenken sei, sondern dazu auffordere, Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit in der Gegenwart wahrzunehmen und ihnen nicht gleichgültig zu begegnen. Jugendliche Teilnehmende berichteten anschließend in bewegenden Essays und Gedichten von ihren Eindrücken und Erlebnissen der einwöchigen Fahrt. Ergänzt wurden die Vorträge durch ein Videoprojekt und künstlerische Arbeiten aus einer Kreativwerkstatt, die im Rathaus ausgestellt waren. Die Beiträge machten eindrucksvoll deutlich, wie tief die Auseinandersetzung mit dem Ort Auschwitz in den jungen Menschen nachwirkt. 

Insgesamt hatten 44 Schülerinnen und Schüler aus dem Landkreis an der Fahrt teilgenommen. Ermöglicht wurde das Projekt durch die Unterstützung zahlreicher Förderer, darunter die evangelisch-lutherische Landeskirche, der Kirchenkreis und der Landkreis Nienburg, der Bürgerstiftung, der Antonia-Winkler-Stiftung, der Adi-Pleines-Stiftung sowie des Lions Club Cor Leonis.

Ein weiterer Programmpunkt im Rathaus war der Bericht von Teilnehmenden an einer Bildungsfahrt nach Kreisau, die von der Polizeiakademie Niedersachsen gemeinsam mit der Gedenk- und Bildungsstätte Liebenau durchgeführt wurde.

Musikalisch begleitet wurde der Abend von Elisabeth Vogels an der Klarinette und Moritz Jüngling an der Gitarre. Bereits zu Beginn hatte das Bläserensemble der Albert-Schweitzer-Schule mit einem einfühlsamen Beitrag den Ton des Abends gesetzt.

Den Abschluss bildete ein symbolischer Moment: Bürgermeister Jan Wendorf ernannte die Teilnehmenden der Gedenkstättenfahrt zu „Botschafterinnen und Botschaftern der Erinnerung“. Verbunden mit der Übergabe der Urknden war der Appell, das Erlebte weiterzutragen – in Schulen, Vereinen und im Alltag. 

(Text: Stadt Nienburg/Weser, Kirchenkreis Nienburg)